Deutsche Unternehmen im Baltikum sind für 2009 pessimistisch
FRANKFURT 06.05.2009 (Dow Jones). Die deutschen Unternehmen in den baltischen Staaten blicken angesichts der schweren Wirtschaftskrise skeptisch in die Zukunft. Zugleich hat sich aber auch die Zufriedenheit mit den unternehmerischen Rahmenbedingungen verschlechtert. Dies ist das Fazit der jährlichen Konjunkturumfrage der Deutsch-Baltischen Handelskammer in Estland, Lettland, Litauen (AHK) unter 118 deutschen Firmen.
Die wirtschaftliche Situation in Estland, Lettland und Litauen hat sich im vergangenen Jahr bisweilen dramatisch verschlechtert. Nachdem sich bereits seit Mitte 2007 eine wirtschaftliche Abkühlung abzeichnete, verstärkten die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise das Tempo des Abschwungs und führten zu einem mitunter deutlichen Rückgang des zuvor dynamischen BIP-Wachstums und einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung, das sich auch im laufenden Jahr fortsetzt. Die derzeitige konjunkturelle Lage spiegelt sich auch in den Einschätzungen der deutschen Unternehmen wider. Rund 80 Prozent der Befragten bewerten die gegenwärtige Wirtschaftssituation in Estland, Lettland und Litauen als schlecht. Noch pessimistischer sind die Aussichten für das laufende Jahr. Neun von zehn deutschen Unternehmen erwarten für 2009 eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in den baltischen Staaten, die übrigen Befragten gehen bestenfalls von einer unveränderten Lage aus.
Entsprechend verhalten sind auch die Aussichten für das eigene Unternehmen. Nachdem im Vorjahr trotz erster Auswirkungen der Krise noch mehr als ein Drittel aller Firmen Umsatz- und Gewinnzuwächse erzielen konnte, rechnen die Befragten für 2009 überwiegend mit einer rückläufigen Entwicklung von Umsatz und Gewinn. Dennoch beurteilen immerhin noch rund zwei Drittel der Befragten ihre derzeitige Geschäftslage als mehr oder weniger stabil. Für die zukünftige Entwicklung zeichnet sich aber ein eher düsteres Bild ab: Nur knapp jedes zehnte Unternehmen sieht sich auch in den kommenden Jahren noch auf Erfolgskurs.
Angesichts der konjunkturellen Lage und makroökonomischen Gesamtsituation sehen die deutschen Unternehmen daher dringenden Handlungsbedarf der Politik. Das Vertrauen in die Fähigkeit der Regierungen zur Bewältigung der Krise ist dabei aber eher gering. Nur etwas mehr als 20 Prozent aller Befragten beurteilen die bisher ergriffenen Maßnahmen als ausreichend und zielführend. Generell zeigt man sich an allen drei Standorten verunsichert über den wirtschaftspolitischen Kurs und die zunehmende politische Instabilität.
Neben der Effizienz der öffentlichen Verwaltung ist es vor allem die Bekämpfung von Kriminalität und Korruption, die aus Sicht der deutschen Unternehmen durchaus noch verbesserungsfähig erscheint. Wenig zufrieden sind sie auch mit der Transparenz bei öffentlichen Ausschreibungen und dem Zugang zu staatlichen und EU-Fördermitteln. Daneben haben sich gegenüber dem Vorjahr auch die Bedingungen für Forschung und Entwicklung verschlechtert.
Die pessimistischen Zukunftsaussichten und -erwartungen spiegeln sich auch in den Investitions- und Beschäftigungsplänen der deutschen Unternehmen wider. Mehr als die Hälfte aller Unternehmen wird sich im Hinblick auf die geplanten Investitionstätigkeiten im laufenden Jahr in Zurückhaltung üben und ihre Investitionen auf ein Minimum reduzieren. Ein ähnlich verhaltenes Bild zeigt sich auch bei den Personalplanungen. Die Mehrzahl der Unternehmen rechnet damit, dass sie infolge der Krise und nicht vorhandener konjunktureller Impulse gezwungen sein wird, im Jahresverlauf die Zahl der Beschäftigten reduzieren zu müssen. Zuversicht verleiht aber, dass nicht wenige Unternehmen ihre Investitionen und den Personalbestand zumindest auf dem Niveau des Vorjahres belassen wollen.
Entsprechend sind trotz der aktuellen Probleme und des zunehmend schwierigeren Wirtschaftsumfelds keine Panikreaktionen und die Abwanderung von deutschen Unternehmen aus den baltischen Staaten zu erwarten – obgleich Estland, Lettland und Litauen gegenüber alternativen Investitionsstandorten an Attraktivität eingebüßt haben. Im Vergleich mit anderen Ländern Mittel- und Osteuropas sowie Deutschland und China belegt erstmals in der bereits zum sechsten Mal durchgeführten Umfrage keiner der drei baltischen Staaten den ersten Rang. Dennoch würden aber rund 60 Prozent der Befragten heute erneut in Estland, Lettland oder Litauen investieren.




