Kongress Länderrisiken 2010

29. April 2010 Rheingoldhalle Mainz

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Coface: Talsohle der Krise ist durchschritten


Positiver Trend beim Zahlungsverhalten

Paris / Mainz 09.02.2010. Zum Jahresende 2009 beobachtete Coface wieder eine Besserung im Zahlungsverhalten von Unternehmen. Infolgedessen zeigt sich der internationale Forderungsspezialist erstmals seit Beginn der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise grundsätzlich bereit, viele Industrieländer, darunter Deutschland und Frankreich, aber auch einige Schwellenländer im Rating wieder besser zu bewerten. Für 2010 geht Coface von einer leichten Erholung der Märkte aus, sieht diese aber auch durch mögliche Finanzblasen bedroht.

Während der weltweiten Krise in den letzten beiden Jahren erreichten die Zahlungsausfälle ein Ausmaß, dass das der Krisen in den letzten Jahrzehnten bei weitem übertraf. "Bereits Anfang 2008 stellten wir einen rapiden Verfall der Zahlungsmoral fest. Während die Ausfälle in der ersten Hälfte von 2009 weltweit nochmals drastisch anstiegen, entspannte sich die Lage ab dem Spätsommer. Die Talsohle war erreicht", sagt der Vorstandsvorsitzende von Coface Deutschland, Benoît Claire. Dennoch lägen die Zahlungsausfälle und -verzögerungen noch deutlich über dem Niveau der letzten Jahre. Mangelnde Liquidität führe dazu, dass ausstehende Rechnungen nicht mehr beglichen werden könnten, erläutert der Vorstandschef.

Weltweit ist die Wirtschaftsleistung im Verlauf der Krise um 6,1 Prozent zurückgegangen. Im Vergleich mit früheren Krisen lässt sich der Absturz mit der verstärkten Globalisierung erklären. Am stärksten sind Osteuropa und Russland betroffen, die einen Wachstumsrückgang von 10,2 bzw. 16,2 Prozent hinnehmen mussten. Doch selbst Unternehmen in Ländern ohne große Verschuldung hatten unter der globalen Rezession zu leiden.

Nachdem der Kreditversicherer seit 2008 in mehreren Schritten zahlreiche Abstufungen im Länderrating vornehmen musste, werden nun die Aussichten für die Industrieländer wieder optimistischer. Neben den USA und Kanada sowie Japan hat Coface sieben westeuropäische Länder unter Beobachtung für eine Aufwertung gestellt oder die Möglichkeit einer Abwertung revidiert. Vor allem für Deutschland und Frankreich besteht somit wieder Aussicht auf die Rückkehr zur Bestnote A1. Ausgenommen sind allerdings Großbritannien und Italien sowie die so genannten "PIGS", also Portugal, Irland, Griechenland und Spanien. Sie alle werden weiterhin mit A3 bewertet und stehen dabei zum Teil noch unter Beobachtung für eine Abwertung. Die Bewertungen folgen einer ähnlichen siebenstufigen Skala wie die der Ratingagenturen: A1 bis A4 entsprechen Investmentgrades, B, C und D stehen für ein mittleres bis hohes Risiko.

Die Dynamik in den Schwellenländern stabilisiert das Wachstum der Weltwirtschaft. So hat Coface beispielsweise die Beobachtung für eine Abwertung der A2-Ratings von Hongkong, Malaysia und Taiwan wieder aufgehoben, auch die der Ratings von Polen (A3), der Türkei (B) und von Chile (A2). Dazu Benoît Claire: "Die Abkopplung von den Industrieländern, vielfach zu Beginn der Krise heraufbeschworen, hat nun doch stattgefunden, allerdings auf eine spezielle und neue Weise." Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Verflechtungen weltweit konnten die aufstrebenden Länder der Krise zwar nicht aus dem Weg gehen. Gerade dort, wo Unternehmen hoch verschuldet waren, führte die Rezession zu Kreditklemmen und demzufolge zu einer Verschlechterung im Zahlungsverhalten. Doch in den meisten Fällen demonstrierten die Länder, dass sie die richtigen Lehren aus früheren Krisen gezogen haben. Solidere Fundamente gaben ihnen Handlungsspielraum im aktuellen Krisenverlauf. Ingesamt gesehen, haben sie allerdings noch nicht die Kraft, die Probleme der industriellen Länder zu kompensieren.

Die Erholung der Märkte bleibt labil, da noch einige Blasen bestehen, die sich gefährlich vergrößern können. Vor allem in den Industrieländern sind viele Unternehmen nach zwei Jahren fehlender Auslastung sehr geschwächt. Besonders problematisch sind die hohen Staatsschulden. Dabei ist nicht so sehr ein Kollaps zu befürchten als vielmehr die Notwendigkeit, die Ausgaben schnell zurückzufahren, was sich nachteilig auf das Wachstum und einzelne Unternehmen auswirkt. Der Chefökonom von Coface, Yves Zlotowski, sieht die Gefahr ausbleibender staatlicher Impulse unter anderem auch in Deutschland. Darunter könnte vor allem die Inlandsnachfrage leiden.

Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass spekulative Blasen an den Aktienmärkten die Wirtschaft belasten. Hier ist mit einer hohen Volatilität gerade in den Industrieländern zu rechnen, da sich an den Finanzmärkten schon wieder ein Optimismus breit macht, der nicht an die reale Situation der Wirtschaft gekoppelt ist. In China wiederum sind schwächere Unternehmen akut gefährdet, seitdem die chinesische Regierung beschlossen hat, die Kredite, die die Unternehmen in diesem Land bislang gestützt haben, in Bereichen mit Überkapazitäten zurückzufahren.

Das Platzen all dieser Blasen kann die Lage für Unternehmen erneut destabilisieren. "Trotz dieser Gefahren rechnen wir insgesamt mit einer leichten Erholung", sagt Vorstandschef Benoît Claire. "Für 2010 gehen wir davon aus, dass die Weltwirtschaft ausgehend von dem aktuellen Niveau wieder um 2,7 Prozent wächst, wobei sich das Wachstum in den Industrieländern auf 1,4 Prozent und in den Schwellenländern auf 5,3 Prozent belaufen wird." Das sei aber nur der Durchschnitt. In einigen Ländern und Branchen sei auch 2010 mit einer Rezession und der Zunahme an Insolvenzen zu rechnen. Dies gelte insbesondere für Ungarn und die baltischen Republiken, so Benoît Claire.

Mit dem Länderrating dokumentiert Coface das durchschnittliche Risiko eines Zahlungsausfalls bei Unternehmen in einem bestimmten Land. So fließen neben makroökonomischen Daten vor allem die Zahlungserfahrungen mit den Unternehmen ein. Darin unterscheidet es sich von den Länderratings anderer Agenturen, die in der Regel die Staatsbonität oder Sicherheit von Anleihen zum Gegenstand haben. Regelmäßig werden 156 Länder analysiert und bewertet.


Kontakt: Dr. Dirk Bröckelmann
Coface Deutschland AG
Tel.: 06131 / 323 717


Aktuelle Änderungen im Coface-Länderrating

 

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