Markt für syndizierte Kredite zusammengebrochen – EBWE unterstützt Osteuropa-Banken
FRANKFURT 12.03.2009 (Dow Jones). Osteuropa bekommt derzeit kaum noch großvolumige syndizierte Kredite der internationalen Banken. Der Markt hierfür sei völlig zusammengebrochen, hat der Forschungsdirektor der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Jeromin Zettelmeyer, in einem aktuellen Gespräch mit Dow Jones betont. Dagegen wachse die Kreditvergabe in den osteuropäischen Ländern selbst nach wie vor an, wenn auch nicht im gleichen Tempo wie vor der Krise. Da die Zinsen für Kredite in lokaler Währung zum Teil sehr hoch seien, gebe es auch nach wie vor Nachfrage nach Fremdwährungskrediten, auch wenn sich der Schuldner dabei dem Risiko weiterer Abwertungen in lokaler Währung aussetze. Die Probleme, die sich aus dem Fremdwährungskrediten im Zusammenhang mit der Abwertung lokaler Währungen ergeben, können laut Zettelmeyer durch Umstrukturierungen gelindert werden, etwa, indem längere Laufzeiten vereinbart würden. Dies geschehe bereits in der Ukraine. Insgesamt habe die Region Osteuropa mit Russland und Kasachstan 2009 laut Zettelmeyer einen Refinanzierungsbedarf von 200 Mrd USD. Darin eingeschlossen seien auch die Beträge, die sich aus der konzerninternen Verschuldung der osteuropäischen Tochterinstitute bei ihren Müttern ergäben. Auch um eventuelle Lücken bei der Refinanzierung auszugleichen, hat die EBWE gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Weltbank ein auf zwei Jahre angelegtes Hilfspaket im Umfang von 24,5 Mrd USD für Banken und kleine und mittlere Unternehmen in Osteuropa geschnürt. Sechs Mrd EUR kommen dabei von der EBWE, 5,7 Mrd EUR von der EIB und 7,5 Mrd EUR von der Weltbank. Die Mittel sollen in Form von Eigen- und Fremdkapital den osteuropäischen Banken aber auch anderen Wirtschaftssubjekten zur Verfügung gestellt werden.
Wie Zettelmeyer weiter mitteilte, müssen sich die Banken als Effekt der Krise zudem auf vermehrte Kreditausfälle einstellen. Sollten die zusätzlichen Zahlungsausfälle ein bestimmtes Maß übersteigen, ergäbe sich hieraus für die Banken ein zusätzlicher Mittelbedarf. Vor dem Hintergrund der umfassenden nationalen und internationalen Hilfen für den osteuropäischen Bankensektor geht Zettelmeyer nicht davon aus, dass eine größere Bank der Region insolvent gehen wird.
Die Analysten von Goldman Sachs haben unterdessen die Refinanzierungslücke für die osteuropäischen Banken allein in diesem Jahr in einem pessimistischen Szenario auf 80 Mrd EUR geschätzt, im mittleren von drei Szenarien kommen die Analysten noch auf ein Lücke von 40 Mrd EUR. Laut Goldman Sachs macht Osteuropa derzeit eine Vertrauenskrise unter den Investoren durch, worunter auch die am meisten entwickelten Länder der Region, Tschechien und Polen, zu leiden hätten. Die Investoren hätten derzeit vor allem das akkumulierte Leistungsbilanzdefizit der Region und extreme Fälle wie Lettland oder die Ukraine im Blick. Ein plötzlicher Kapitalrückzug könnte einen Teufelskreis auslösen, der zu weiteren wirtschaftlichen Schrumpfungsprozessen, Zahlungsausfällen und Kapitalrepatriierungen führt. Die hohe Abhängigkeit der Region von ausländischem Kapital könnte dazu führen, dass die derzeitige Eintrübung des Business Sentiments zum Selbstläufer wird. Anpassungsprozesse an die neue Situation sind laut Goldman Sachs bereits im Gange. Die Abwertungen der lokalen Währungen werden die Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen vermindern.
Zu den Aussichten auf eine konjunkturelle Wende in Osteuropa sagte Zettelmeyer, diese sei abhängig von einer Aufhellung der Konjunktur auf den wirtschaftlichen Kernmärkten Europas, Amerikas und Asiens. Nur kleine Länder, wie beispielsweise Estland, mit flexibler Wirtschaft, könnten sich möglicherweise bereits zuvor durch eigene Anpassungsleistungen aus der Krise befreien.




