Coface stuft Deutschland und Frankreich ab
Insgesamt 33 Abwertungen im Länderrating und 25 Bewertungen neu unter Beobachtung
MAINZ 13.05.2009. Der weltweit agierende Forderungsspezialist Coface registriert ein schwieriges erstes Halbjahr 2009. Nach einem enormen Anstieg Ende 2008 bleiben die Zahlungsausfälle der Unternehmen auf einem hohem Niveau. So wurde im Januar das Rating von insgesamt 22 Ländern herabgestuft oder unter negative Beobachtung gestellt. Im April folgten weitere 47 negative Ratingänderungen, die vor allem Industrieländer in Europa, Nordamerika und Asien betrafen, darunter auch Deutschland und Frankreich. Demnach weisen nun 33 Länder ein schlechteres Rating auf als noch 2008, von 25 Ländern wurde das Rating neu unter Beobachtung für eine Abwertung gestellt. In einigen Fällen, insbesondere Spanien, würde es sich nicht um die erste in diesem Jahr handeln.
Mit dem Länderrating dokumentiert Coface das durchschnittliche Risiko eines Zahlungsausfalls bei Unternehmen in einem bestimmten Land. So fließen neben makroökonomischen Daten vor allem die Zahlungserfahrungen des Forderungsspezialisten mit den Unternehmen ein. Regelmäßig werden 155 Länder analysiert und bewertet. Von Oktober 2008 bis März 2009 sind die Zahlungsausfälle und -verzögerungen besonders stark in den Industrieländern gestiegen.
In Deutschland wuchsen in diesem Zeitraum die Zahlungsausfälle und -verzögerungen um 103 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. "Bedingt durch Insolvenzen verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg der Schadenquote", stellt Norbert Langenbach, Vorstandsmitglied von Coface Deutschland, fest. Diese Entwicklung habe sich bereits im Oktober letzten Jahres abgezeichnet, so dass Coface das Land unter Beobachtung für eine Abwertung stellte. "Die Beststufe A1 ist im Länderrating jetzt nicht mehr zu halten. Wir mussten Deutschlands Bewertung im April von A1 auf A2 herabstufen." Grund für die spürbare Verschlechterung der Zahlungsmoral der deutschen Unternehmen sei der rasante Einbruch des Exportgeschäfts. Seit dem Frühjahr befände sich die deutsche Wirtschaft in einer Rezession. Voraussichtlich werde sie bis zum Herbst 2009 andauern, meint Norbert Langenbach. Erst danach dürfte mit einer langsamen Erholung zu rechnen sein.
Auch der Präsident von Coface, François David, betont, dass die Krise ihren Höchststand im ersten Halbjahr 2009 erreichen werde. „Unser Hauptszenario geht immer noch davon aus, dass die Kreditkrise im zweiten Halbjahr 2009 ausklingt und die Weltwirtschaft sich erholt. Anfang 2010 halten wir eine Konjunkturbelebung für möglich.“ Diese Besserung werde aufgrund des verlangsamten Schuldenrückgangs bei den privaten Wirtschaftsakteuren, den privaten Haushalten sowie den Unternehmen, eher einen schleppenden Charakter haben, sagt der Coface-Präsident.
Japan und Frankreich wurden im April 2009 ebenfalls von A1 auf A2 herabgestuft. Beide Länder wurden über die Vertrauenskrise angesteckt und über die Kreditklemme sowie den Nachfrageeinbruch in die Rezession gezogen. Eine Immobilienblase oder eine übermäßige Verschuldung der Haushalte gibt es nicht. Ausgehend von einem niedrigen Niveau sind die Zahlungsausfälle in Japan von Oktober bis März um 24 Prozent, in Frankreich sogar um 165 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen.
Anders sieht es in den USA (A2), Spanien (A3), Irland (A3) und Großbritannien (A3) aus. Mit dem Platzen der Immobilienblasen in diesen Ländern sind sie in eine schwere Finanzkrise geraten. Das Wirtschaftswachstum ist massiv eingebrochen. Extrem verschlechtert hat sich dadurch vor allem die Zahlungsmoral in Großbritannien. Hier legten die mit Zahlungen verbundenen Vorfälle, die sich bereits auf einem hohen Niveau befanden, in den letzten beiden Quartalen nochmals um 179 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Auch in Spanien und in den USA war nochmals ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen (144 bzw. 98 Prozent). Nachbarländer der Krisenzentren wie Kanada (A2), Mexiko (A4) und Portugal (A3) können sich wegen der engen wirtschaftlichen Verflechtung dem Abwärtsstrudel nicht entziehen. Für all diese Länder stufte Coface das Länderrating sukzessive seit Anfang 2008 herab.
In Mittel- und Osteuropa haben sich mit Ausnahme einiger Sonderfälle, wie Ungarns und der baltischen Staaten, die Unternehmen zunächst widerstandsfähig gezeigt. Viele Länder sind 2008 noch stark gewachsen. Nach wie vor bewegt sich die Bewertung der größten mitteleuropäischen Volkswirtschaften zwischen A2 und A4, also durchaus noch im Bereich von Investmentgrades. Doch die Leistungsbilanzdefizite und die Verschuldung der Unternehmen im Ausland haben sich weiter erhöht; die Zahlungsausfälle nehmen auch hier zu. Coface erwartet 2009 eine harte Landung in fast allen mittel- und osteuropäischen Ländern. Selbst die positive Beobachtung, die seit Juni 2007 für Polens Rating A3 galt, wurde im Januar 2009 wieder aufgehoben. Seit April steht das Land unter Beobachtung für eine Abwertung. Auch wenn sich Polen in der Krise behaupten sollte, ist nicht zu erwarten, dass sich die Zahlungsmoral der polnischen Unternehmen 2009 bessert.
Unter den GUS-Ländern wird vor allem die Entwicklung in der Ukraine mit Sorge verfolgt. Nachdem das Rating C des Landes im Januar 2009 auf die negative Watchlist gesetzt wurde, erfolgte im April die Abstufung auf D, das im siebenstufigen Coface-Länderrating für das höchste Risiko steht. Auch Russland ist stark betroffen. Das Land sieht sich mit einem Wachstumsrückgang von 8,1 Prozent im Jahr 2007 auf -3,0 Prozent in 2009 konfrontiert. Unter den großen Volkswirtschaften ist Russland damit diejenige, die den größten Rückgang verkraften muss. Russische Unternehmen haben beträchtliche Schulden in Fremdwährungen und leiden deswegen unter der Kreditklemme. Bereits Anfang 2009 hatte Coface einen deutlichen Anstieg der Zahlungsausfälle registriert und deshalb nach der negativen Beobachtung jetzt entschieden, Russland von B auf C zurückzustufen.
Die anderen drei BRIC-Länder widerstehen der Krise bislang relativ gut. Das Rating A3 von Indien blieb seit Dezember 2004 unverändert. Im Vergleich zu den anderen BRIC-Staaten erleben die indischen Unternehmen den geringsten wirtschaftlichen Rückgang. Für 2009 wird immer noch ein Wachstum von 5 Prozent erwartet. Auch bei Brasiliens Rating mit A4 sieht Coface keinen Bedarf einer Anpassung. Dank des großen Binnenmarktes zeigt sich das Land relativ stark in der Krise.
Die Beobachtung für eine Abwertung, unter die Chinas Rating A3 im Januar 2009 gestellt wurde, hält Coface allerdings aufrecht. Der abrupte Rückgang der Wachstumsdynamik versetzt die Unternehmen in einen Schockzustand. Angesichts der starken Investitionstätigkeit wurden in den vergangenen Jahren Überkapazitäten aufgebaut. Diese drücken bereits seit längerem die Gewinnmargen, aber mit dem niedrigeren Wachstum wird die Lage für viele Unternehmen untragbar. Aufgrund des beschlossenen Konjunkturpakets gibt es zwar einige positive Signale, die letztlich dazu führten, dass Coface das Land nicht abstufte, doch trotz der fiskalischen Anreize besteht in bestimmten Branchen nach wie vor ein erhebliches Risiko für Zahlungsausfälle. "Wir registrieren eine deutliche Verschlechterung im Zahlungsverhalten chinesischer Unternehmen", sagt Vorstandsmitglied Norbert Langenbach.
Kontakt: Dr. Dirk Bröckelmann
Coface Deutschland AG
Tel.: 0 61 31 – 323 717
Änderungen 2009 im Coface-Länderrating
| Land | Oktober 2008 | Januar 2009 | April 2009 | |
| Westeuropa | Finnland | A1 | A1 | A1 |
| Luxemburg | A1 | A1 | A1 | |
| Niederlande | A1 | A1 | A1 | |
| Österreich | A1 | A1 | A1 | |
| Schweden | A1 | A1 | A1 | |
| Schweiz | A1 | A1 | A1 | |
| Belgien | A1 | A1 | A2 | |
| Dänemark | A1 | A1 | A2 | |
| Deutschland | A1 | A1 | A2 | |
| Frankreich | A1 | A1 | A2 | |
| Norwegen | A1 | A1 | A2 | |
| Griechenland | A2 | A2 | A3 | |
| Großbritannien | A2 | A2 | A3 | |
| Irland | A2 | A2 | A3 | |
| Italien | A2 | A2 | A3 | |
| Portugal | A2 | A2 | A3 | |
| Spanien | A2 | A2 | A3 | |
| Island | A3 | A3 | A4 | |
| Osteuropa | Slowenien | A1 | A1 | A2 |
| Tschechische Rep. | A2 | A2 | A2 | |
| Polen | A3 | A3 | A3 | |
| Estland | A3 | A3 | A4 | |
| Litauen | A3 | A3 | A4 | |
| Ungarn | A3 | A3 | A4 | |
| Kroatien | A4 | A4 | A4 | |
| Bulgarien | A4 | A4 | B | |
| Lettland | A4 | A4 | B | |
| Rumänien | A4 | A4 | B | |
| Türkei | B | B | B | |
| Russland | B | B | C | |
| Ukraine | C | C | D | |
| Albanien | D | D | D | |
Quelle: Coface
Unter Beobachtung für eine Auf- bzw. Abwertung
Änderungen im Coface-Länderrating 2009
| Land | Oktober 2008 | Januar 2009 | April 2009 | |
| Amerika | Kanada | A1 | A1 | A2 |
| Vereinigte Staaten | A2 | A2 | A2 | |
| Chile | A2 | A2 | A2 | |
| Kolumbien | A4 | A4 | A4 | |
| Mexiko | A3 | A4 | A4 | |
| Panama | A4 | A4 | A4 | |
| Ecuador | C | C | C | |
| Asien-Pazifik | Japan | A1 | A1 | A2 |
| Singapur | A1 | A1 | A2 | |
| Australien | A1 | A2 | A2 | |
| Neuseeland | A1 | A2 | A2 | |
| Hongkong | A1 | A2 | A2 | |
| Malaysia | A2 | A2 | A2 | |
| Südkorea | A2 | A2 | A2 | |
| Taiwan | A1 | A2 | A2 | |
| China | A3 | A3 | A3 | |
| Thailand | A3 | A3 | A3 | |
| Papua-Neuguinea | B | B | B | |
| Sri Lanka | B | B | C | |
| Mongolei | C | C | D | |
| Pakistan | C | C | D | |
| Naher Osten | Vereinigte Arab. Emirate | A2 | A2 | A2 |
| Afrika | Botswana | A2 | A2 | A3 |
Quelle: Coface
Unter Beobachtung für eine Auf- bzw. Abwertung




