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Frankreich will in der Krise vor allem die Unternehmen stärken


FRANKFURT 19.02.2009 (Dow Jones). Als sehr angebotsorientiert hat Nicolaus Heinen, Analyst bei Deutsche Bank Research, die Struktur des französischen Konjunktur-Stimuluspakets bezeichnet, dessen Details nun vorliegen. Das französische Konjunkturpaket hat einen Umfang von 26 Mrd EUR. Nach Angaben von Premierminister Francois Fillon sind 11 Mrd EUR  für die Verbesserung der Liquiditätslage von Unternehmen vorgesehen, vier Mrd EUR sollen Staatsunternehmen ausgeben, um beispielsweise Bahnstrecken zu modernisieren oder die Postdienste zu verbessern. Weitere 11 Mrd EUR sind für Direktinvestitionen in Projekte gedacht. Teil der französischen Bemühungen, der Finanz- und Wirtschaftskrise Herr zu werden, sind auch zinsgünstige Kredite an Renault und Peugeot-Citroën. Sie sollen eine Laufzeit von fünf Jahren haben, mit 6 bis 7 Prozent verzinst sein, und sie sind an verschiedene Bedingungen geknüpft, darunter den Verzicht auf Arbeitsplatzabbau und Standortverlagerungen ins Ausland. Außerdem sollen Boni und Dividenden eingeschränkt werden.

Heinen wies darauf hin, dass der Unternehmenssektor allein 15 Mrd EUR erhalte. Zwar enthalte das Programm damit viele Ansätze, die langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Landes stärken könnten, so Heinen. Doch zusätzliche nachfrageorientierte Maßnahmen wie etwa vorübergehende Steuersenkungen fehlten, die direkt mehr Geld in die Taschen der Bürger spülten und daher unmittelbar wirksam seien. Die Gegenposition im europäischen Kontext der Konjunkturprogramme nehme hingegen das britische Konjunkturpaket ein, das im Wesentlichen in einer Mehrwertsteuersenkung um 2,5 Prozentpunkte bestehe. Die deutschen Konjunkturpakete bestünden aus einem relativ ausgewogenen Mix von angebots- und nachfragorientierten Stimuli. Die Entlastung für eine vierköpfige Familie sei in etwa so groß wie beim britischen Paket.  Der psychologische Effekt sei im deutschen Fall wegen der Vielzahl kleinerer Maßnahmen allerdings geringer als bei der gut zu kommunizierenden britischen Mehrwertsteuersenkung.

Christoph Weil, Volkswirt bei der Commerzbank, hält die angebotsseitige Ausrichtung des französischen Konjunkturpakets dagegen für richtig. Sie wirke zwar langsamer, aber dafür nachhaltiger als eine Stärkung der Nachfrageseite. Zusätzliches Geld in den Taschen der Verbraucher entfache dagegen nur ein Strohfeuer. Die Frühindikatoren im Euro-Raum wiesen auf Anzeichen einer Stabilisierung hin, dies sei durch die Februar-Daten für den ZEW-Indikator der Konjunkturerwartungen noch einmal bestätigt worden. Davon werde auch die französische Konjunktur profitieren. Ab Mitte des Jahres werde das BIP in Frankreich im Vergleich zum jeweiligen Vorquartal nicht mehr zurückgehen.

Nach Meinung von BNP Paribas werden einige Elemente des französischen Konjunkturprogramms ab Mitte des Jahres wirksam werden. Das Finanzinstitut geht davon aus, dass das französische Bruttoinlandsprodukt 2009 um 2,4 Prozent zurückgehen wird. Erst Anfang 2010 werde die französische Wirtschaft wieder expandieren.

Frankreich, bislang im Länderrating von Coface die beste Einstufung A1 erzielend, wurde bereits vor Deutschland (ebenfalls A1) unter Beobachtung für eine Abwertung gestellt. Schon im Sommer letzten Jahres registrierte der Forderungsspezialist einen deutlichen Anstieg bei den Zahlungsausfällen französischer Unternehmen. Im September 2008 lagen sie um 75 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Die Branchen Transport und Bau sowie der Immobilienmarkt überhaupt waren als erste betroffen. Die Probleme sind vor allem auf die Schwierigkeiten beim Kreditzugang sowie auf den allgemeinen Auftragsrückgang zurückzuführen. Wie der Coface-Bereichsleiter Credit Line, Joël Paillot, im Gespräch mit Dow Jones weiter ausführte, ist die französische Zahlungsmoral im Zuge der Krise mittlerweile so schlecht wie in Italien. Transportfirmen seien besonders gefährdet. Neben dem Handel gerate auch der Konsumgüterbereich immer stärker unter Druck. Die Textil- und die Baubranche seien hingegen schon vor der Krise in Schwierigkeiten gewesen.