Umfrage: Deutsche Wirtschaft mit hohen Erwartungen in Russland
MOSKAU 11.12.2008 (Ost-West-Contact). Die meisten deutschen Unternehmen in Russland sehen trotz der Finanzkrise weiterhin gute Investitionschancen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage zum Geschäftsklima in Russland, die der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft im November gemeinsam mit der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) unter 153 in Russland tätigen deutschen Unternehmen durchführte. Die Ergebnisse wurden am 11. Dezember in Moskau präsentiert.
„Die befragten Unternehmen rechnen zwar definitiv mit einer Eintrübung, halten aber mehrheitlich an Investitionsplänen in Russland fest und stellen weiter Personal ein“ sagte Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. 67 Prozent der befragten Firmen bewerten die derzeitige Geschäftslage des eigenen Unternehmens mit gut bis sehr gut. Im Jahr 2007 waren es 83 Prozent. 69 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in Folge der internationalen Finanzkrise mit negativen Folgen für ihr Firmengeschäft. 30 Prozent erwarten eine Verschlechterung des Geschäftsklimas. 46 Prozent der Befragten gehen von einer Verbesserung des Geschäftsklimas in den kommenden zwölf Monaten aus. „Russland bleibt weltweit weiterhin ein entscheidender Wachstumsmarkt für deutsche Unternehmen“, bewertete Michael Harms, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), die Ergebnisse.
Die befragten Unternehmen planen 2009 Gesamtinvestitionen von 870 Millionen Euro in die russische Wirtschaft. Hauptsächlich soll in die Bereiche Energie, Automobilindustrie und in den Groß- und Einzelhandel investiert werden. Vor allem Investments in die russischen Regionen seien von Interesse. Insbesondere der Region Krasnodar wird großes Wachstumspotenzial eingeräumt. Die Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen sind hier besser als in Moskau oder St. Petersburg. Grund hierfür ist die Vielzahl an Bauprojekten, die im Zuge der Vorbereitungen auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi anstehen. Aber auch Sibirien, die Nord-West-Regionen sowie die Regionen Zentralrusslands seien für deutsche Investoren attraktiv.
Lindner forderte die deutschen Unternehmen auf, das „Vertrauen in die russische Wirtschaft nicht aufzugeben. Die Krise sei auch als Chance zu sehen und stelle einen Moment der Neuorientierung dar. Negativ sei aber, dass damit eine Diversifizierung der Wirtschaft, die die russische Regierung seit Jahren anstrebt, zunächst weiter aufgeschoben werde.
Michael Harms sagte, es herrsche zwar Besorgnis, aber keine Krise. Die jetzige Situation sei nicht mit der Krise im Jahr 1998 zu vergleichen. Die Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen bliebe bestehen, vor allem im Industriebereich bzw. im Maschinen- und Anlagenbau.
Die nach wie vor hohe Attraktivität des russischen Marktes begründeten die befragten Unternehmen unter anderem mit hohen Wachstums- und Gewinnchancen und günstigen Kostenstrukturen. Sie erhoffen sich aber weitere Reformschritte der russischen Regierung, zum Beispiel beim Abbau von Bürokratie, der Harmonisierung von Standards und Normen sowie beim Aufbau eines starken russischen Mittelstandes. (Russland aktuell 50/51)
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