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Deutsche Logistiker müssen sich auf Umsatzrückgang einstellen


FRANKFURT 27.04.2009 (Dow Jones). Die deutschen Logistiker müssen sich in diesem Jahr auf einen Umsatzrückgang von fünf Prozent einstellen, was einem Rückfall auf das Niveau von 2007 entspricht. Die Branche kann sich der allgemeinen Krise nicht entziehen. Besonders betroffen sind Logistikunternehmen, die für die Stahl- oder Automobilindustrie tätig sind – in der Nahrungsmittel- und Konsumgüter-Branche sieht es hingegen besser aus, wie Ulrike Grünrock-Kern, Sprecherin der Bundesvereinigung Logistik BVL berichtet. Die Umsätze der deutschen Logistiker beliefen sich 2008 auf rund 215 Mrd EUR, was dem dritten Platz hinter der Automobilindustrie und dem Handel entspricht. Neben einem schrumpfenden Markt machen den Logistikern zudem derzeit krisenbedingt auch andere Anforderungsprofile im Supply Chain Management (SCM) zu schaffen.

Die Wirtschaftskrise stelle die Branche vor besondere Aufgaben, wie Martin Raab, Leiter SCM bei der Beratungsgesellschaft Capgemini Consulting, betont. „Supply Chain Manager sind durch die hohe Volatilität der Nachfrage – etwa durch starke Einbrüche und kurzfristige Erholungsphasen, z.B. durch die Abwrackprämie – besonders gefordert. Sie müssen die Bestände sowie die Transport- und Lagerkapazitäten an das neue Level anpassen und gleichzeitig die Flexibilität erhöhen, um kurzfristig auf eine Belebung oder weitere Einbrüche reagieren zu können,“ legt er dar.

Denn auch das SCM leidet unter der internationalen Wirtschaftskrise: Zwei von drei Branchenvertretern halten die Krise für die stärkste Herausforderung im Geschäft 2009, wie aus einer aktuellen Unternehmensumfrage von Capgemini hervorgeht. 46% der Manager hingegen sehen Kundenanforderungen, 37% das Streben nach Nachhaltigkeit als größte Herausforderungen.

Die meisten Logistiker reagieren auf das Problem mit kurzfristigen Maßnahmen. Wie in der Studie weiter mitgeteilt wird, konzentriert sich die Branche auf Projekte, die schnelle Vertragsverbesserungen oder Einsparungen mit sich bringen.

„Die Studie macht deutlich, dass der kurzfristige Erfolg etwa durch Lageroptimierung oder Vertragsnachverhandlungen für die Manager Vorrang vor Projekten mit Langzeitwirkung hat“, erklärt Raab. Dies bringe jedoch langfristige Schwierigkeiten mit sich, betont er. „Ein einseitiger Fokus auf kurzfristige Maßnahmen kann dazu führen, dass die Flexibilität der Supply Chain eingeschränkt ist – z.B. durch eine Bündelung der Volumina auf einen Lieferanten, der bei einem Anziehen der Konjunktur nicht in der Lage ist, die zusätzlichen Mengen zu liefern.“

Raab hält die Reaktion der SCM-Verantwortlichen, auf kurzfristige Taktiken zu setzen, zwar für wenig überraschend, jedoch berge sie ihm zufolge ein „beträchtliches Risiko“. Kostensenkung müsse gerade in der Krise mit Innovation und Optimierung von Prozessen verbunden werden, „Nur so lassen sich Wettbewerbsvorteile schaffen, die nach der Rezession sofort genutzt werden können“, so der Experte.

Dem stimmt auch Ulrike Grünrock-Kern zu. „Investitionen in Innovationen und hohe Qualifikationen der Mitarbeiter sind die richtigen Strategien. Darüber hinaus gilt es, betriebsinterne Abläufe zu überprüfen und zu optimieren“, erläutert sie.

Bei allen Gefahren biete die Krise auch Chancen, erklärt Martin Raab. „Es können strukturelle Veränderungen im Operation Modell der Unternehmen herbeigeführt werden. So kann durch eine Zentralisierung der Bestandsverantwortung häufig ein nachhaltig niedrigeres Bestandsniveau und damit eine Absenkung des Working Capitals erreicht werden. Solche Maßnahmen sind in einer Krise leichter durchzusetzen.“

Um 2009 jedoch zu einem erfolgreichen Jahr zu machen, müssten Supply Chain Manager kurzfristig wirksame Maßnahmen mit nachhaltigen Verbesserungen kombinieren.

Auf dem "Kongress Länderrisiken 2009", der von dem internationalen Kreditversicherer Coface Deutschland veranstaltet wird, beschäftigt sich ein eigener Workshop mit der Logistikbranche in der aktuellen Wirtschaftskrise. Der Kongress findet am 14. Mai in Mainz statt.

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