Zahlungsmoral in Europa gesunken
Coface beobachtet Risikoanstieg in den Industrieländern
MAINZ 03.12.2008. Innerhalb der letzten zwölf Monate haben die Zahlungsrisiken im globalen Handel rasant zugenommen. Vor allem in den Industrieländern, vorweg den USA, beobachtet Coface seit Anfang 2008 einen deutlichen Anstieg der Ausfälle. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum stiegen die Zahlungsverzögerungen der Unternehmen bereits zu Jahresbeginn um 45 Prozent an. Für den internationalen Forderungsspezialisten war dies zu diesem Zeitpunkt schon ein klares Zeichen für den Beginn einer Kreditkrise. Im Laufe des Jahres sah sich Coface nicht nur veranlasst, die USA, sonder auch westeuropäische Länder wie Großbritannien, Irland und Spanien im Länderrating abzuwerten.

Die Kreditkrise führte in 2008 zu einem rasanten Risikoanstieg in den Industrieländern. Doch auch die Schwellenländer ziehen jetzt nach.
Die Probleme der bedeutendsten Volkswirtschaft haben zweifelsohne weltweite Auswirkungen auf die regionalen Risiken. Ausgehend von der Subprime-Krise war in Nordamerika im ersten Quartal 2008 ein Risikoanstieg von 33 Prozent auf 116 Punkte zu verzeichnen. Auch in Japan stieg das Risiko deutlich an; Australien und Neuseeland waren weniger betroffen. Demgegenüber blieb es zu diesem Zeitpunkt in Westeuropa noch verhältnismäßig ruhig. Der Coface-Risikoindex hielt sich für die EU-15 konstant bei 77 Punkten - dem besten Wert im weltweiten Vergleich.
Doch die Region blieb nicht verschont. "Die westeuropäischen Länder, zu Jahresbeginn noch kaum betroffen, ziehen jetzt nach", beschreibt Norbert Langenbach, Vorstandsmitglied von Coface Deutschland, die aktuelle Situation. "In Deutschland ist die Lage zwar noch vergleichsweise stabil, doch registrierten wir im dritten Quartal für Westeuropa insgesamt eine Steigerung des Risikos um mehr als 18 Prozent. Es liegt nun bei 95 Punkten." Nicht nur in den Ländern, in denen die Immobilienblase platzte, mache sich das bemerkbar; auch Frankreich und Italien sind betroffen.
In Nordamerika und Japan kam es nach dem rapiden Verfall der Zahlungsmoral zu Jahresbeginn zu keinem weiteren Anstieg. Mit 102 Punkten liegt der Index der industrialisierten Länder zwar noch unter dem Durchschnitt aller Länder (128 Punkte), die Differenz wurde aber im Laufe der letzten zwölf Monate stetig geringer. In den übrigen Regionen stagnierte der Risikoindex weitestgehend bei den bisherigen Werten. In den Ländern der GUS und in Afrika lag das Risiko allerdings mehr als dreimal so hoch wie die Basis Welt in 2000 (100 Punkte).
Auch am Zahlungsverhalten in den mittel- und osteuropäischen Schwellenländern wird die aktuelle Finanzmarktkrise nicht spurlos vorübergehen. Noch vor wenigen Monaten von der Risikoentwicklung relativ unberührt, wird die Lage auch hier nun schwieriger. "Wir beobachten in den letzten Wochen eine deutliche Zunahme an Zahlungsverzögerungen und -ausfällen", sagt Jochen Böhm, Stellvertretender Bereichsleiter Credit Line bei Coface Deutschland. "Die Krise breitet sich von West nach Ost aus. Sie hat nun auch die Schwellenländer erreicht."
Die Risikoindizes von Coface beziehen sich auf kurzfristige Handelsgeschäfte. Wesentlicher Bestandteil der Einschätzung sind die Zahlungserfahrungen der Coface-Kunden. Der regionale Index ergibt sich aus dem Durchschnitt der Länderratings, gewichtet nach dem Anteil der jeweiligen Länder am Bruttoinlandsprodukt der Region.
"Aus unserer Sicht ist das Zahlungsverhalten der Unternehmen ein verlässlicherer Indikator der wirtschaftlichen Entwicklung als die derzeitigen Wachstumsprognosen, die ständig zurückgenommen werden müssen", sagt Norbert Langenbach, Vorstandsmitglied von Coface Deutschland. "Registrieren wir eine sich verschlechternde Zahlungsmoral, so ist dies ein Frühwarnsystem für Wirtschaftskrisen und Rezensionen."
Dr. Dirk Bröckelmann, Coface Deutschland
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