Bekleidungsindustrie auf dem Weg der Besserung
Coface bewertet Italien mit A2, die Branche noch mit C
MAINZ 14.08.2008. Trotz steigender Konsumausgaben und einer Zunahme der Exporte kommt die italienische Wirtschaft nicht richtig in Fahrt. Vor allem der Mangel an technisch anspruchsvollen Produkten verhindert einen schnelleren Anstieg der Exportquote. Die hohe Anzahl an Steuerflüchtigen und die Schattenwirtschaft erschweren aber auch die Sanierung des Staatshaushalts und erhöhen den Druck auf legal arbeitende Unternehmen. Zu den hausgemachten Problemen gehört außerdem eine wesentlich schlechtere Zahlungsmoral als in den anderen westeuropäischen Ländern. Ungeachtet der Folgen der internationalen Finanzkrise können die meisten Länder der Region bislang die höchste Bewertung A1 im Länderrating von Coface halten. Italien stuft der internationale Anbieter von Lösungen im Forderungsmanagement von Unternehmen hingegen schon seit geraumer Zeit in A2 ein. A1 bis A4 entsprechen auf der Skala der Länderbeurteilungen Investmentgrades. Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Italiens sind demnach nach wie vor gut.
Schwierige Ausgangslage
Die Bekleidungsindustrie ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes und trägt maßgeblich zum Bruttoinlandsprodukt bei. Jedoch ist die Branche eine der unsichersten und anfälligsten in Westeuropa überhaupt. Bis Ende letzten Jahres stufte Coface sowohl die Textilhersteller als auch die Modeproduzenten der Region auf der zehnstufigen Skala seines Branchenratings in C- ein. Zum Vergleich: Die solidesten Branchen mit dem geringsten Zahlungsausfallrisiko erzielen ein A+, diejenigen mit sehr ungünstigen ökonomischen Bedingungen ein D. Textil und Bekleidung bilden damit zwar das Schlusslicht bei den 16 Sektoren, die Coface regelmäßig weltweit beobachtet. Doch zeichnet sich allmählich eine leichte Entspannung auf dem westeuropäischen Textil- und Bekleidungsmarkt ab. Anfang 2008 verbesserte sich das Rating der beiden Branchen von C- auf C. Die Unternehmen erzielen insgesamt gute Ergebnisse und sind somit in der Lage, ihre finanzielle Situation zu festigen und sich strategisch besser zu positionieren.
Neue Strategien
Dass dies insbesondere auch für den Bekleidungssektor Italiens zutrifft, liegt vor allem daran, dass sich die dort ansässigen Unternehmen auf die Herstellung hochwertigerer Mode konzentrieren und einen Teil der Produktion ins Ausland verlagert haben. Angesichts des scharfen asiatischen Wettbewerbs, der niedrigen Lohnkosten in der Branche und des verhältnismäßig hohen Lohnniveaus Italiens erscheint diese Strategie durchaus erfolgversprechend. Zwar bremst der schwache Dollarkurs den Absatz in den USA, doch entwickelt sich Russland zum Hauptabnehmer italienischer Mode. So wuchsen laut Bundesagentur für Außenwirtschaft Italiens Herrenmodeexporte nach Russland allein in 2007 um 47 Prozent. Diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass die fünfjährige Talfahrt der italienischen Herrenmodenhersteller 2007 gestoppt wurde und für 2008 in diesem Bereich mit einem Wachstum von acht Prozent zu rechnen ist. „Wir gehen davon aus, dass die italienische Bekleidungsindustrie sich insgesamt, wenn auch langsam, weiter konsolidieren wird und somit auch das Risiko für Zahlungsausfälle allmählich zurückgeht“, fasst Norbert Langenbach, Vorstandsmitglied von Coface Deutschland, die Lage zusammen.
Dr. Dirk Bröckelmann, Coface Deutschland




