Kongress Länderrisiken 2010

29. April 2010 Rheingoldhalle Mainz

Perspektiven für die Außenwirtschaft
Coface-Ceo Cazes zu Ratings
Wer finanziert den Aufschwung?
Wirtschaftsfaktor Fußball
Impressionen Kongress 2010

News

weitere Newsbeiträge

Coface-CEO kritisiert US-Aufsichtsbehörden

Kreditversicherer will Prämien weltweit anheben

PARIS 23.1.2008 (Dow Jones). Der Vorstandsvorsitzende des französischen Kreditversicherers Coface, Jerome Cazes, sieht in der US-Finanzaufsicht einen wesentlichen Schuldigen für die im Augenblick herrschende Krise im Finanzsektor. Wie Cazes vor Journalisten in Paris sagte, haben die amerikanischen Aufsichtsbehörden vor mehreren Jahrzehnten Ratingagenturen wie Fitch oder Moodys die öffentliche Aufgabe übertragen, Anlagen für Investoren – in erster Linie Unternehmen – zu bewerten. Den Agenturen sei in der Folge freie Hand gelassen worden, ihre Ratings auf fragwürdige Finanzvehikel auszudehnen ohne diese wirklich bewerten zu können. Denn deren Struktur lasse ein belastbare Einschätzung nicht zu. Heute haben in den USA lediglich fünf Unternehmen ein AAA-Rating, während rund 5.000 Finanzvehikel über dieses Rating verfügen , sagte Cazes.

Diese Triple-A-Ratings haben nach Ansicht des Coface-CEOs dazu geführt, die Risiken der Finanzvehikel zu kaschieren. Es sei jahrelang das Spiel gewesen, die Risiken auf eine möglichst große Zahl von Spielern zu verteilen. Dabei hätten die Big Player die Risiken an kleinere Investoren mit weniger Expertise weitergereicht. Nach Ansicht von Cazes wurden dadurch innovative Finanzprodukte mit mysteriösen Inhalten und hohen Kommissionen geschaffen.

Die gegenwärtige Krise demonstriert die Schwächen dieses Geschäftsmodells, sagte Cazes. Wir bewerten nur Risiken, die wir auch bereit sind zu versichern. Rating-Agenturen würden seinen Worten zufolge gut daran tun, sich auf die Bewertung von Unternehmensrisiken zu beschränken. Sollten zwei Millionen Haushalte in den USA ihre Wohnimmobilien verlieren aufgrund von Mechanismen, die sie nicht verstehen, habe diese Entwicklung Folgen für die Glaubwürdigkeit der Marktwirtschaft. Die gleiche Entwicklung könne sich auch in Spanien und Großbritannien vollziehen.

Insgesamt erwartet Coface für das laufende Jahr ein abgeschwächtes weltwirtschaftliches Wachstum, das den Schätzungen zufolge allerdings noch über 3% liegen soll. Eine Kreditkrise wie im Jahr 2001 sei augenblicklich unwahrscheinlich. Nach dem dominierenden Szenario des Kreditversicherers ohne volle Rezession in den USA würden Bankrotte und unbezahlte Forderungen weltweit um 10% zunehmen. Nach dem zweiten Szenario mit einer Wahrscheinlichkeit von 40%, in dem die USA in eine Rezession abrutschen, würden Firmeninsolvenzen und unbeglichene Rechnungen global um 20% zulegen. Dies sei noch immer deutlich weniger als während der Krise der Jahre 2000 und 2001, als eine Steigerung von 30% verzeichnet wurde, erklärte Cazes. Er begründet den positiveren Ausblick mit der augenblicklich besseren finanziellen Ausstattung von Unternehmen.

Cazes kündigte an, die Prämien von Coface aufgrund des gestiegenen Risikos im Durchschnitt um 10% anzuheben. Dabei werde es je nach Land und Branche Unterschiede geben. Die deutsche Coface-Tochter hatte diesen Schritt für ihre deutschen Kunden bereits vor einigen Wochen verkündet.

Nach Einschätzung von Coface sind in den Jahren 2007 und 2008 in erster Linie die Haushalte überschuldet. Obwohl Unternehmen diesmal keine zentrale Rolle in der Krise einnehmen, könnten ein wirtschaftlicher Schock und erschwerte Finanzierungskonditionen ihre Lage negativ beeinflussen. Laut Coface-Chefvolkswirt Yves Zlotowski werden die sogenannten Schwellenländer von einem wirtschaftlichen Abschwung in den USA relativ gering betroffen sein. Er begründet dies unter anderem mit einem deutlich reduzierten Haushaltsdefizit von durchschnittlich 41% des Bruttoinlandsproduktes (BIP), deutlichen verbesserten Leistungsbilanzen und Währungsreserven in diesen Ländern.

Gleichzeitig ist die Inlandsnachfrage zu einem wichtigen Wachstumstreiber geworden. So ist etwa in China der Beitrag der Exporte am Wachstum deutlich zurückgegangen, während die private Nachfrage und Investitionen an Bedeutung gewonnen haben. Nach Berechnung des französischen Kreditversicherers ist der Beitrag der Schwellenländer zum Welt-BIP seit 2001 von 24% auf 34% gestiegen, während der Anteil der USA von 32% auf 26% gefallen ist.

Das höchste Risiko einer Ansteckung durch einen wirtschaftlichen Abschwung in den USA gebe es in den europäischen Staaten, die in der Vergangenheit die höchsten Wachstumsraten verzeichnet hätten: Spanien, Großbritannien und Irland. Alle drei Länder hat Coface deshalb auf die negative Watchlist gesetzt. Wie Xavier Denecker, Managing Direktor bei Coface, ausführte, befindet sich in Spanien insbesondere die Bauwirtschaft in einer kaum aufrecht zu erhaltenden Situation. So seien 2006 rund 800.000 Wohneinheiten entstanden so viel wie in Großbritannien, Frankreich und Deutschland zusammengenommen. Auch im vergangenen Jahr habe diese Zahl noch bei 600.000 gelegen. Dazu kommt, dass Spanien innerhalb der Gruppe der industrialisierten Länder das höchste Leistungsbilanzdefizit aufweist.

Lars Hoffmann