Afrika: Hohe Rohstoffpreise beflügeln Wachstum
Coface beobachtet weiterhin geopolitische Risiken
Mainz 29.10.07. Afrika profitiert von höheren Rohstoffpreisen und dem Schuldenerlass internationaler Gläubiger. Doch die hohe politische Unsicherheit ermöglicht Coface Deutschland, Anbieter von Lösungen im Forderungsmanagement von Unternehmen, auch für Ölförderländer nur weniger akzeptable Ratings. Die Textilindustrie der Region muss sich gegen die Konkurrenz aus Asien behaupten.
Afrika ist in hohem Maße geopolitischen Risiken ausgesetzt. Gerade in den Ländern südlich der Sahara stehen schwache Regierungen und ein schlechtes Geschäftsklima einer günstigeren Wirtschaftsentwicklung im Wege. Die Ölförderländer konnten mit hohen Exporterlösen Schulden abbauen und Investitionen tätigen.
Algerien, Marokko und Tunesien
So investiert Algerien hohe Summen in den Ausbau der Infrastruktur, bleibt aber abhängig von der Ölindustrie. Es mangelt an einem effizienten Bankensystem sowie an Ausbildung und Verwaltung. Wie Marokko und Tunesien wird das Land von Coface mit A4 bewertet. Die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls im Rahmen von Geschäften mit Unternehmen in diesen Ländern des Maghreb liegt demnach noch im akzeptablen Bereich. Coface berücksichtigt bei seinen Bewertungen aber gerade auch solche Rahmenfaktoren wie geopolitische und regierungspolitische Risiken, konjunkturell bedingte Verwundbarkeit, das Risiko einer Devisenliquiditätskrise und die Höhe der Auslandsverschuldung. Die Bewertungen folgen einer ähnlichen siebenstufigen Skala wie die der Ratingagenturen: A1 bis A4 (Investmentgrades entsprechend), B, C und D (mittleres bis hohes Risiko).
Das Rating A4 für Marokko und Tunesien steht in beiden Fällen aufgrund der anhaltenden Konjunktur und einer konsequenten Politik zur Umsetzung von Strukturreformen und Diversifizierung der Wirtschaft unter positiver Beobachtung. In beiden Ländern dürfte für die Wirtschaft durch die umfassenden Investitionen in die Infrastruktur sowie die dynamische Entwicklung des produzierenden Gewerbes auch zukünftig ein kräftiges Wachstum zu verzeichnen sein, das in Marokko 2007 nur durch Missernten geschmälert wird. Dabei zeigt die Erweiterung der Industrielandschaft über die Textilproduktion hinaus zunehmend Früchte. Die guten Ergebnisse der Touristikbranche und die außergewöhnlich starke Entwicklung des Dienstleistungssektors tragen zum Aufschwung bei.
Was die Textil- und Bekleidungsbranche angeht, so hat sie sich in Marokko erholt, denn dank der Nähe zum europäischen Markt kann sie schneller liefern und auch kurzfristig auf neue Trends reagieren. In Tunesien läuft ein Dreijahresplan (2005–2008), um die Branche zu modernisieren und ihr neue Schlagkraft zu verleihen.
Länder südlich der Sahara
Das Risikoniveau hat sich stabilisiert, ist aber im Vergleich zu den aufstrebenden Ländern der Welt überdurchschnittlich hoch. Botswana (A2), Namibia, Mauritius und Südafrika (jeweils A3) erhalten die besten Beurteilungen. Sie bieten sowohl politische Stabilität als auch eine ausgezeichnete Finanzlage. In Südafrika hat die gute Konjunkturentwicklung die Liquidität der Unternehmen verbessert und 2006 zu einem starken Rückgang der Insolvenzen geführt. Der Coface-Index für Zahlungsausfälle liegt unter dem weltweiten Durchschnitt. „Allerdings bedeutet das nicht generell, dass in diesen Ländern mit guten Ratings keine Forderungsverluste drohen“, sagt Benoît Claire. Der Vorstandsvorsitzende von Coface Deutschland verweist auf die Notwendigkeit, dass immer die konkreten Geschäftsbeziehungen mit Abnehmern betrachtet werden müssen, um zu einer exakten Risikobeurteilung zu kommen. „Umgekehrt bedeutet ein schwächeres Rating nicht automatisch, dass dort keine Geschäfte möglich wären oder wir keinen Deckungsschutz übernähmen“, sagt Claire.
Alle übrigen Länder der Region bewertet Coface von B bis D unterhalb der Investmentgrades. Doch verzeichnen selbst die Ölimportländer hohe Wachstumsraten, auch wenn sie zuletzt unter den hohen Rohölpreisen litten und zudem der Wegfall internationaler Textilhandelsquoten einigen Staaten zu schaffen machte. Die explodierenden Kosten für Erdöl können durch die gleichzeitig steigenden Preise für andere Rohstoffe abgefedert werden. In der Textilindustrie, die sich gegen die Konkurrenz aus Asien behaupten muss, leidet das Zahlungsverhalten der Unternehmen allerdings unter Schwierigkeiten. Außerdem erhöhen Korruption und ein schwieriges Umfeld in bestimmten Ländern, darunter Angola und Nigeria, die Gefahr von Zahlungsausfällen.
Die Entwicklung der Coface Länderbewertungen in Afrika





