Kongress Länderrisiken 2010

29. April 2010 Rheingoldhalle Mainz

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Keynote & Panels:

Keynote: Effiziente Ressourcennutzung als Chance für die deutsche Exportwirtschaft

Der Klimawandel hat eine rege Diskussion über die Instrumente zur Verringerung der Treibhausgase ausgelöst. Die Industrieländer sind bereit, ihren Ressourcenverbrauch zu reduzieren, verlangen allerdings auch von den Schwellenländern einen sparsameren Umgang mit Ressourcen. Diese wollen jedoch ihre wirtschaftliche Entwicklung vielfach nicht durch derartige Einschränkungen schwächen. Gerade in Ländern mit großer und wachsender Bevölkerung dürfte die Ausbeutung der Umwelt noch deutlich zunehmen. Vor dem Hintergrund drohender ökologischer Katastrophen werden die Steigerung der Energieeffizienz und der nachhaltige Umgang mit endlichen Ressourcen in den kommenden Jahren zu beherrschenden Themen der Unternehmens- und Markenstrategie. Bislang ist die deutsche Industrie in diesem Technologiefeld hervorragend aufgestellt. Allerdings wächst die Konkurrenz schnell heran: Andere Länder nutzen die sich eröffnenden Chancen, wie das Beispiel der Solarbranche verdeutlicht. Um sich in einem derart dynamischen Wettbewerbsfeld zu behaupten, müssen deutsche Unternehmen rechtzeitig auf sich abzeichnende Veränderungen der Rahmenbedingungen reagieren und schon heute die notwendigen Weichenstellungen vornehmen.

Panel 1: Paradigmenwechsel – Ökologische Herausforderung als Wachstumstreiber für die Weltwirtschaft?

Nach der Schuldenkrise Lateinamerikas, der Asienkrise und den Finanzkrisen in Russland und der Türkei hat es nun die Industrieländer erwischt. Dabei sind die Aussichten auf eine rasche Erholung deutlich schlechter als in den Schwellenländern. Dort haben die bevölkerungsreichen Staaten zumeist ein ordentliches Wachstum bei kräftig reduziertem Außenhandel erreicht. Gleichzeitig scheint der weltweite Umbruch hinsichtlich der Ressourcennutzung einen technologischen Modernisierungsschub mit sich zu bringen, der die massive Verschiebung von Wachstums- und Entwicklungszentren von den traditionellen Industrieländern in die Schwellenländer noch beschleunigen könnte. Die Herausforderung besteht nun für deutsche und europäische Unternehmen darin, in einer Phase wirtschaftlicher Schwäche die notwendigen Anpassungen an diese Veränderungen vorzunehmen.

Panel 2: Exportdeckung nach der Krise – wie viel Staat muss sein?

Die vergangenen Monate galten als Härtetest für Unternehmen und Kreditversicherer. Während Kritiker den Versicherern eine zu restriktive Deckungspolitik vorwerfen, weisen deren Bilanzen zum Teil steigende Geschäftsvolumina auf. Bei kriselnden Firmen oder Branchen wurden jedoch die Limite gekürzt. Die Klagen der Wirtschaft haben mittlerweile auch den Staat auf den Plan gerufen. Sein verstärktes Engagement etwa bei den Exportkreditgarantien oder als Mitversicherer im Rahmen des Bürgschaftsprogramms soll vermutete Engpässe beseitigen. Dabei ist unklar, ob diese Interventionen immer gerechtfertigt sind und nicht mitunter über das Ziel hinausschießen. Allerdings sind die Maßnahmen zeitlich beschränkt. Das wirft die Frage auf: Wie sieht die Zukunft des Kreditversicherungsmarkts aus, wenn sich der Staat aus dem Geschäft zurückzieht?

 

Workshops:

Lateinamerika: Energiequelle Brasilien

Neben den auf wenige Länder konzentrierten modernen Fertigungsstandorten gilt der enorme Ressourcenreichtum als ein wesentlicher Vorzug Lateinamerikas. Zu den Staaten, die über beides verfügen, zählt Brasilien. Als größtes und bevölkerungsreichstes Land des Halbkontinents hat es sich in den vergangenen Jahren eine wirtschaftlich und politisch herausragende Position erarbeitet. Zahlreiche Unternehmen sind mittlerweile zu Global Playern aufgestiegen. Schon immer stark in Brasilien vertreten, können deutsche Unternehmen jetzt vom dynamischen Binnenmarkt und der wachstumsstarken brasilianischen Industrie profitieren.

Asien: Wachstumsmotor Indonesien

Während China als staatlich finanzierte Wachstumslokomotive die Region antreibt, geben die anderen bevölkerungsreichen Schwellenländer Indien und Indonesien dem Aufschwung ein breites Fundament, nicht zuletzt aufgrund der vergleichsweise geringen außenwirtschaftlichen Verflechtung. Während die Konjunktur in China an einigen Stellen zu überhitzen droht, legte Indonesien in 2009 um gut vier Prozent zu. 2010 könnte sogar eine Fünf vor dem Komma stehen. Getragen wird das indonesische Wachstum vom privaten Verbrauch und den Infrastrukturinvestitionen. Dabei profitiert das Land von dem wieder anziehenden Ölpreis.

Mittel- und Osteuropa: Stabilitätsanker Polen

Während Ungarn und das Baltikum am Tropf internationaler Geldgeber hängen und zum Teil dramatische Wohlstandsverluste erleiden, wird Polen das Krisenjahr 2009 voraussichtlich sogar mit einem leichten Wachstum abschließen. Dazu haben zwar Investitionen mit Hilfe der EU beigetragen, doch musste ein erheblicher Rückgang der privaten Investitionen und der Exporte verkraftet werden. Letztlich hielten der private Verbrauch und die Staatsausgaben bei gleichzeitig stark sinkenden Importen die Wirtschaftsleistung im Plus. Doch 2010 dürften auch Krisenländer wie Tschechien und die Slowakei stärker aufholen und den nächsten Konjunkturzyklus mittragen.

Innovation: Marktreife im Ausland erreichen

Die deutsche Wirtschaft nutzt die Krise für Innovationen, wie eine Umfrage des DIHK im Sommer 2009 ergab. Gleichzeitig wird das Auslandsengagement vor allem in Mittel- und Osteuropa zurückgefahren. Trotz des starken Euro verfolgen die deutschen Unternehmen einen Qualitätskurs, der den Standort Deutschland bestätigt. Doch für die internationale Marktreife von Forschung und Entwicklung bedarf es einer engen Anbindung an den Zielmarkt bzw. den Standort der relevanten Anwender neuer Technologie. So bietet Asien vor allem für die Elektronikindustrie Standorte für eine schnelle Umsetzung innovativer Technologien in neue Produkte.

Risikomanagement: Internes Rating

Während in den vergangenen Jahren das externe Rating und die damit verbundenen Agenturen im Fokus der Öffentlichkeit standen, ist für die meisten deutschen Unternehmen das interne Rating ihrer Banken viel bedeutender. Denn hier entscheidet sich, ob und wie viel Kredit sie gegebenenfalls erhalten können. Für Banken auf der anderen Seite stellt diese Bewertung einen wesentlichen Baustein ihres Risikomanagements dar, der in Zeiten hoher Kreditausfälle noch an Bedeutung gewonnen hat.

Russland/GUS: Zähe Modernisierung

Einige Länder der GUS wie Kasachstan oder die Ukraine sind von der internationalen Wirtschaftskrise hart getroffen worden. Wider Erwarten wurde auch Russland nicht verschont. Die von hohen Exporterlösen alimentierte Industrialisierung hat sich als Strukturfalle entpuppt, da die staatlichen Unternehmensgruppen die notwendige Modernisierung nicht erreicht haben. Nun schwenkt die Regierung um und setzt auf die Belebung der Marktkräfte. Zwar dürfte eine schnelle Erholung angesichts der bislang konsumgetriebenen Entwicklung ausbleiben, doch die wirtschaftspolitische Weichenstellung weist zumindest in die richtige Richtung.

China: Grenzen des Exportwachstums

Für die chinesische Exportwirtschaft bedeutete der massive Rückgang der Nachfrage aus den USA, aber auch aus den anderen Industrieländern ein jähes Ende des langjährigen Aufschwungs. Zwar wuchs die Wirtschaft dank einer expansiven Geld- und Fiskalpolitik auch 2009 noch relativ kräftig, doch dürfte diese Nachfrage nicht nachhaltig sein. Schon warnt die Zentralbank vor einer Blasenbildung auf dem Immobilienmarkt. Manche Beobachter erwarten gar eine neue Asienkrise, die von China ausgehen würde. Daher setzt China – wie auch Deutschland – letztlich wieder auf die Belebung der Auslandsnachfrage.

Golfregion: Märkte im Umbruch

Auch wenn die Finanzkrise in Dubai Schockwellen um die ganze Welt gesendet hat, bleibt die Golfregion ein interessantes Ziel für Investoren und Exporteure. Schon seit geraumer Zeit ist zu beobachten, dass andere Staaten der Region wie Abu Dhabi, Qatar oder Saudi-Arabien an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen. Denn die aller Voraussicht nach auch in Zukunft hohen Öl- und Gaspreise werden diesen Staaten dauerhaft eine hohe Kaufkraft sichern. Die Einnahmen werden genutzt, um die Wirtschaft zu diversifizieren und die Infrastruktur auszubauen. Dabei gewichten die Regierungen das Thema Nachhaltigkeit wesentlich höher als in der Vergangenheit.

Einkauf: Umgang mit Lieferantenrisiken

Immer mehr Einkaufsabteilungen von Unternehmen stehen vor dem Problem, dass wichtige Lieferanten aufgrund der Krise von Insolvenz bedroht sind. Ein Ausfall würde vielfach eine Unterbrechung der Produktion bedeuten und zu schmerzhaften Verlusten führen. Um rechtzeitig über die Entwicklungen beim Partner informiert zu werden, gewinnt die regelmäßige Prüfung von Bonität und Performance der Zulieferer stark an Bedeutung. Neben Selbstauskünften werden dabei verstärkt Instrumente von Kreditversicherern und Auskunfteien entdeckt, die traditionell eher vom Vertrieb genutzt werden.

Finanzierung: Liquiditätssteuerung im Auslandsgeschäft

Die Verfügbarkeit von ausreichender Liquidität ist für Unternehmen in Zeiten knapper Kredite und hoher Unsicherheit an den Märkten ein Muss. Die Schwäche der Kapitalmärkte erfordert dabei innovative Lösungen, wie etwa das länderübergreifende Cash-Pooling oder die Nutzung von Borrowing-Base-Finanzierungen. Auch bei der Umsetzung von Auslandsinvestitionen sind kreative Ansätze vonnöten, um die notwendigen Sicherheiten zu stellen.