Kongress Länderrisiken 2012

News

weitere Newsbeiträge

Impressionen Kongress 2011
Länderrisiken
Weltwirtschaft im Umbruch
Werte in der Wirtschaft
Stadionbesichtigung Innovation

Rückblick Kongress 2011

Globalisierung in der Bewährungsprobe

Deutschland hat 2010 eine kräftige Erholung von der Wirtschaftskrise erlebt und steuert auch 2011 auf ein ordentliches Wachstum zu. Dazu wird der Export wieder einen beträchtlichen Beitrag leisten. Doch hinter der Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten stehen neue Fragezeichen. Die Spaltung der Weltwirtschaft in gut finanzierte Überschussländer und klamme Defizitstaaten sowie das wachsende Selbstbewusstsein der großen Schwellenländer erhöht die Gefahr von Währungsturbulenzen, Protektionismus und Staatsbankrotten. Zudem nimmt die Konkurrenz um Rohstoffe bedrohliche Ausmaße an, die nicht nur die Preise steigen lassen, sondern auch die Verfügbarkeit knapper Grundstoffe für industrielle Schlüsseltechnologien in Frage stellen.

Europäische Union, Euro und Griechenland

Die Sorge um die Europäische Währungsunion war auf der Veranstaltung deutlich zu spüren. Als eine ihrer Säulen entscheidet der Euro nach Überzeugung Jean-Claude Junckers auch über die Zukunftsfähigkeit der Europäischen Union. In seiner Eröffnungsrede fesselte der Finanzexperte die Kongressteilnehmer im voll besetzten Saal mit Humor und Kompetenz.

Europa werde an Bedeutung verlieren, allein schon demographisch, erwartet Juncker. „Das heißt aber nicht, dass Europa an Einfluss verlieren muss“. Als wichtigsten Teil der europäischen Geschichte, seit 1989 der Eiserne Vorhang verschwand und 27 neue Staaten entstanden, wertet Juncker den Euro: „Der Euro ist ein Erfolg.“ Das zeigten die Zahlen. Die Inflation im Euro-Raum sei deutlich geringer als vor dem Euro. Die Zinsen seien niedriger. Es gebe keine ständigen Auf- und Abwertungen der Währungen zueinander mehr.

„Wir haben keine Euro-Krise“, unterstrich Juncker. Die europäische Währung sei stabil im Außenwert und in der internen Kaufkraft. „Was wir haben, ist eine Schuldenkrise einzelner Staaten mit durchaus unterschiedlichen Ursachen.“ Das Griechenland-Programm müsse weitergehen und dringend ergänzt werden, forderte Juncker. Dann habe das Land mit Hilfe der Partner eine vernünftige Chance, die Situation in den Griff zu bekommen. Eine reine Umschuldung lehnt Juncker ab.

Auch Prof. Bofinger plädiert für die Griechenlandhilfe. Das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sieht in den so genannten Euro-Bonds, also gemeinsamer Anleihen der Euro-Staaten, den richtigen Weg, Spekulationen gegen einzelne Länder auszuhebeln. Dies helfe den Problemländern, zu niedrigen Zinsen mit den Schulden zurechtzukommen. „Es verhindert eine Schuldenspirale. Und gerade weil wir für diese Länder jetzt haften, sollten wir alles dafür tun, dass eine solche Schuldenspirale gestoppt wird. Ich glaube, da führt in Griechenland überhaupt kein Weg dran vorbei. Alles andere hieße, den Kopf in den Sand zu stecken“, sagte der Wirtschaftweise. Voraussetzung sei, dass Griechenland sich an seine Konsolidierungsziele halte. Beides zusammen würde Sinn ergeben. „Es wäre quasi ein Fordern und Fördern: Fordern bei den Konsolidierungsprogrammen, fördern bei den Zinsen.“

Reicht strengere Regulierung zur Vorsorge?

Eine Rückbesinnung auf Werte in der Wirtschaft sieht Franz J. Michel als Voraussetzung für eine erfolgreiche Neupositionierung des Finanzsystems an. Mit staatlicher Regulierung allein sei es nicht getan, um neue Krisen zu verhindern. Der Vorstandsvorsitzende von Coface Deutschland diskutierte im Abschlusspanel des Kongresses Länderrisiken über die Reform des Finanzsystems.

„Die Verschuldungsmentalität, besonders in den USA, ist sehr ausgeprägt und hat mit dazu geführt, dass diese jüngste Krise entstehen konnte“, sagte Franz J. Michel. Zur rasanten Ausbreitung habe dann geführt, dass es auch am Kapitalmarkt kein ausreichendes Risiko- und Verantwortungsbewusstein gegeben habe. „Die Akteure dürfen sich nicht aus dem Risikomanagement verabschieden und müssen die Verantwortung für die Risiken übernehmen, die sie eingehen.“ Der Transfer auf Ratingagenturen oder anonyme Zweckgesellschaften werde dem nicht gerecht.

Eine neue Balance zwischen Markt und Staat fordert auch der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker: „Markt pur hat ausgedient.“ Der Prozess der Regulierung sei noch nicht abgeschlossen. Wir sind noch weit davon entfernt, dass Finanzprodukte transparent sind. Mit dem neuen europäischen Ordnungsrahmen für Systemrisiken werde der richtige Weg beschritten. „Da ist aber noch zu viel Nationalstaat drin.“

Länderrisiko: Bedeutung nimmt zu

Die hohe Verschuldung der Staaten in Europa wird sich mittelfristig auch auf die Konjunktur und das Zahlungsverhalten der Unternehmen auswirken. „Wir verzeichnen im Moment zwar noch kein gravierend verschlechtertes Zahlungsverhalten von Unternehmen in Portugal, Spanien, Griechenland oder Irland. Wenn die staatlichen Investitionsimpulse aber reduziert werden oder ausbleiben, was aufgrund der Sparnotwendigkeiten unausweichlich erscheint, müssen wir uns auf Probleme für Unternehmen in diesen Ländern einstellen", sagte Norbert Langenbach. Das Vorstandsmitglied gab beim Kongress eine Übersicht über die aktuelle Einschätzung von Risiken und Chancen in den Regionen der Welt. Klare "Gewinner" der Wirtschaftskrise seien die Schwellenländer. Vorstandskollege Christian Vollbehr wies ergänzend auf eine aktuellen Studie von Coface China hin, wonach das Zahlungsverhalten in China seit acht Jahren einen positiven Trend aufweise, der Verschuldungsgrad aber zunehme und die Zahlungsziele stärker ausgeschöpft würden.

 

„Dem chinesischen Premierminister habe ich den Arm um die Schulter gelegt und gesagt: Mit unseren beiden Ländern repräsentieren wir ein Drittel der Weltbevölkerung.“
Jean-Claude Juncker

„Deutschland ist immer mit der Stabilitätsfahne gelaufen. Und ich vorneweg. Dann habe ich mich umgedreht, und die Deutschen waren weg.“
Jean-Claude Juncker

„Das Modell Marktwirtschaft ohne soziale Komponente ist gescheitert. Viele haben sich eingebildet, ohne Arbeit reich werden zu können.“
Jean-Claude Juncker

Keynote und Panels

Keynote: Europäische Perspektiven

Die Euro-Zone ist nach den USA der führende Wirtschaftsraum der Erde und größter Exporteur der Weltwirtschaft. Auch wenn einige Staaten eine Schuldenkrise durchlaufen, bleiben der Euro und die Europäische Union eine Erfolgsgeschichte. Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsraums ist eine tragfähige Balance zwischen Solidität und Solidarität.

Jean-Claude Juncker

Jean-Claude Juncker, der Vorsitzende der Euro-Gruppe, ist auf aktuelle europäische Herausforderungen eingegangen.

Panel am Vormittag: Weltwirtschaft im Umbruch

Die Weltwirtschaftsordnung befindet sich im größten Umbruch seit dem 2. Weltkrieg. Spätestens mit der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise ist klar geworden, dass Länder wie China, Indien und Brasilien die Weltwirtschaft und ihre Institutionen maßgeblich prägen und ihr Gewicht stetig wächst. Gleichzeitig nehmen Protektionismus und Regelverstöße bei internationalen Verträgen zu, während die aktuelle Welthandelsrunde stagniert. Auf den Rohstoffmärkten hat die deutsche Wirtschaft bereits eine Kehrtwende vollzogen: Der Glaube an die freie Verfügbarkeit dieser unverzichtbaren Vorprodukte ist erschüttert. Nun wird händeringend nach Lösungen gesucht, um nicht von der Rohstoffversorgung abgeschnitten zu werden. Die Risiken sind demnach hoch.

Prof. Dr. Peter Bofinger

Im Impulsvortrag hat Prof. Dr. Peter Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrates und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg, weltwirtschaftliche Umbrüche beleuchtet.

Panel am Nachmittag: Reform des Finanzsystems – Schutz vor neuen Krisen?

Um Bankensystem und Volkswirtschaft zu stabilisieren, mussten sich viele Staaten des Westens in Folge der Weltwirtschaftskrise massiv verschulden. Die Defizite haben mittlerweile eine so bedrohliche Größe angenommen, dass Länder wie Irland oder Griechenland vor dem Bankrott stehen, während die USA die Gelddruckmaschine angeworfen haben. Parallel läuft global der Prozess, das Finanzsystem zu reformieren und zu stabilisieren. Offen bleibt, ob die bisherigen Regulierungsmaßnahmen ausreichen, um zukünftige Crashs auszuschließen oder ob gar negative Auswirkungen auf das Finanzsystem und die Wirtschaft zu erwarten sind. Die lockere Geldpolitik der Gegenwart trägt bereits den Keim neuer Krisen in sich.

Prof. Dr. Wilhelm Hankel

Prof. Dr. Wilhelm Hankel, wirtschaftspolitischer Regierungsberater, hat sich im Impulsvortrag kritisch zur Reform des Finanzsystems geäußert.

Vortrag: Länderrisiken aus Sicht von Coface

Die Bedeutung von Länderrisiken nimmt nach Einschätzung von Experten erkennbar zu.

 

Norbert Langenbach, Vorstandsmitglied von Coface Deutschland, berichtete über das aktuelle Zahlungsverhalten von Unternehmen weltweit.

 

Workshops am Vormittag

Workshop Afrika: Kontinent im Aufbruch

Spätestens seit dem massiven chinesischen Engagement in Afrika hat der Westen erkannt, dass der Kontinent attraktive Möglichkeiten für die wirtschaftliche Zusammenarbeit bietet. Während die Staaten Westafrikas gestützt auf den Rohstoffboom ihre Infrastruktur ausbauen müssen, sollen im Rahmen der Desertec-Initiative in den Maghreb-Ländern umfangreiche Stromerzeugungskapazitäten für die Versorgung Europas entstehen. Die Unruhen in den nordafrikanischen Staaten führen jedoch zu erheblichen Unsicherheiten für Investoren und Handelspartner.

Workshop China: Risiken nehmen zu

China gilt mit seinen enormen Wachstumsraten als die Erfolgsstory der Weltwirtschaft. Viele deutsche Branchen – darunter insbesondere der Automobilbau – profitieren von der Dynamik im Reich der Mitte. Dennoch wachsen auch die Risiken. Dazu gehört der erzwungene Technologietransfer genauso wie die Gefahr der Überhitzung im Immobiliensektor.



Workshop Einkauf: Absicherung von Risiken

Hoch spezialisierte Wertschöpfungsketten schaffen für produzierende Unternehmen große Abhängigkeiten von ihren Lieferanten. Fällt ein solcher Zulieferer aus, kann dies fatale Folgen haben. Diese Erfahrung musste nach der Naturkatastrophe in Japan insbesondere die Automobilbranche machen. Die Industrie muss sich deshalb darauf einstellen und entsprechende Sicherungsinstrumente schaffen. Dabei spielt auch die Versorgungssicherheit bei Rohstoffen eine immer größere Rolle, wie die Engpässe bei Seltenen Erden belegen.

Workshop Brasilien: Big Player

Brasilien ist unter Präsident Lula zu einem globalen politischen und wirtschaftlichen Schwergewicht aufgestiegen. Rohstoffexport und der große Binnenmarkt haben die Konjunktur beflügelt. Davon profitieren auch deutsche Unternehmen. Schließlich sind sie in kaum einem anderen Land der Welt mit so vielen Niederlassungen und eigenen Produktionsstätten vertreten wie in Brasilien.

Workshop Risikomanagement: Zielgerichtete Navigation im Risikokosmos

Im klassischen Credit Management konzentriert sich die Risikoanalyse meist auf die Fragen, wie hoch die Forderungsausfälle sind bzw. ob die vereinbarten Zahlungsziele von den Kunden eingehalten werden. Modernes Risikomanagement umfasst aber wesentlich mehr Risikokategorien. Die Herausforderung dabei ist vor allem, Wechselwirkungen zwischen Kreditrisiken und anderen Risikoarten sichtbar zu machen und in der Unternehmenssteuerung zu berücksichtigen. Möglich wird dies nur über einen unternehmensweiten Gesamtrisikoansatz.

Workshops am Nachmittag

Workshop Russland: Modernisierungsbedarf

Russland mit seinem enormen Rohstoffreichtum bleibt beim Wachstum das Schlusslicht der BRIC-Staaten. Dennoch bietet das Land weiterhin große Chancen für deutsche Unternehmen, nicht zuletzt weil die russische Führung auf eine Modernisierung des Landes mit deutscher Hilfe setzt.


Workshop: Von Südkorea bis Indien:
Was bringt der Freihandel mit Asien?

Die Europäische Union will in den kommenden Jahren verstärkt bilaterale Freihandelsabkommen mit asiatischen Ländern abschließen. Für deutsche Unternehmen ist damit die Herausforderung verbunden, den Wegfall der Zollschranken für das eigene Geschäft zu nutzen und Risiken so gering wie möglich zu halten. Der Mitte des Jahres in Kraft tretende Freihandelsvertrag mit Südkorea dient als Modellfall – Die Asiaten haben mit zahlreichen High-Tech-Produkten zur Weltspitze aufgeschlossen und stehen mit den Deutschen zum Teil in harter Konkurrenz.

Workshop Euro-Zone: Wackelkandidat

Die Bonitätseinstufung mehrer europäischer Länder ist massiv eingebrochen. Ein Staatsbankrott wird in einigen Fällen nicht mehr ausgeschlossen. Von der Krise sind auch wichtige deutsche Handelspartner wie Spanien und Großbritannien betroffen. Deutsche Unternehmen sollten sich auf eine Verschärfung der Lage vorbereiten und rechtzeitig ihre Risikoposition absichern.

Workshop Türkei: Transformation zum Europäer

Die Türkei hat sich in der vergangenen Dekade zum „Starken Mann am Bosporus“ gewandelt. Günstige Produktionskosten, eine hohe heimische Nachfrage und die strategische Lage zwischen Mittlerem Osten und Europa sind nur einige der Standortvorteile des Landes. Zulieferer profitieren vom weiterhin hohen Technologiebedarf des Landes.

Workshop Exportfinanzierung: Auf Nummer sicher

Die privaten Kreditversicherer haben zugesagt, die in der Wirtschaftskrise vom Staat gedeckten Kurzfrist-Geschäfte mit OECD-Staaten zu übernehmen. Damit wird ein Schlussstrich unter eine Ausnahmesituation gezogen. Die Frage ist jedoch, welche Lehren sowohl die privaten als auch staatlichen Kreditversicherer aus diesen Erfahrungen für ihre Deckungspolitik ziehen. Denn nicht zuletzt müssen auch gemeinsame Handlungsregeln für zukünftige Krisen erarbeitet werden.