Rückblick 2010
Spielraum nutzen! - Rückblick auf den Kongress
Länderrisiken 2010
Die Weltwirtschaft kommt aus einem tiefen Nachfragetal. Trotz erster Anzeichen einer Konjunkturerholung stehen die Märkte vor großen Herausforderungen. Wer finanziert den Aufschwung, war denn auch ein beherrschendes Thema auf dem Kongress Länderrisiken 2010 von Coface Deutschland. Eine weitere wichtige Frage: Wie hoch sind die Risiken? "Wir werden weiter mit großen Problemen zu tun haben", sagte Franz J. Michel in seiner Eingangsrede vor über 500 Teilnehmern. "Zusätzlich zum Risiko von Forderungsausfällen müssen sich die Unternehmen auf der Finanzierungsseite auf Probleme einstellen. Viele Banken stehen weiter vor eigenen Problemen," so der Vorstandsvorsitzende von Coface Deutschland.
Was die Risikoseite angeht, stellte Vorstandsmitglied Norbert Langenbach in seinem Bericht zu den Länderrisiken fest, dass sich auch in Deutschland bedingt durch den rasanten Einbruch des Exportgeschäfts die Zahlungsausfälle im ersten Halbjahr 2009 verdoppelt hätten. Zwar hätte sich besonders gegen Jahresende die Zahlungsmoral der Unternehmen wieder verbessert, doch seien die Ausfälle und Verzögerungen in vielen Ländern weiterhin ausgesprochen hoch.
Norbert Langenbach, Länderrisiken aus Sicht von Coface
Norbert Langenbach, Vorstandsmitglied von Coface Deutschland, berichtete über das aktuelle Zahlungsverhalten von Unternehmen weltweit.
Keynotes & Panels
Prof. Dr. Klaus Töpfer, Keynote: Effiziente Ressourcennutzung als Chance für die deutsche Exportwirtschaft
Die Steigerung der Energieeffizienz und der sinnvolle Umgang mit knappen Ressourcen werden in den kommenden Jahren zu beherrschenden Themen der Unternehmens- und Markenstrategie. Die deutsche Industrie ist in diesem Technologiefeld hervorragend aufgestellt und kann die sich daraus ergebenden Chancen noch stärker nutzen.
Panel 1: Paradigmenwechsel – Ökologische Herausforderung als Wachstumstreiber für die Weltwirtschaft?
Die bevölkerungsreichen Schwellenländer haben zumeist ein ordentliches Wachstum bei kräftig reduziertem Außenhandel erreicht. Nun könnte der weltweite Umbau der Ressourcennutzung einen technologischen Modernisierungsschub mit sich bringen, der mit einem massiven Kapital- und Technologietransfer von den Industrieländern in die Schwellenländer einhergeht.
Jérôme Cazes, Keynote: Neue Ratings, neue Regeln
Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Unternehmen auf eine harte Probe gestellt. Die meisten konnten auf finanziellen Reserven aus den guten Vorjahren zurückgreifen. Doch nun würde jede weitere Krise die Substanz bedrohen. Strengere Regeln für Ratings und Finanzprodukte könnten der nächsten Krise vorbeugen.
Panel 2: Exportdeckung nach der Krise – wie viel Staat muss sein?
Die vergangenen Monate galten als Härtetest für Unternehmen und Kreditversicherer. Während Kritiker den Versicherern eine zu restriktive Deckungspolitik vorwerfen, weisen deren Bilanzen zum Teil steigende Geschäftsvolumina auf. Bei kriselnden Firmen oder Branchen wurden jedoch die Limite gekürzt. Wie sieht die Zukunft des Kreditversicherungsmarktes aus, wenn sich der Staat aus dem Geschäft zurückzieht?
Workshops
Lateinamerika: Energiequelle Brasilien
Lateinamerika bietet neben modernen Fertigungsstandorten auch zahlreiche Ressourcen, die die wirtschaftliche Entwicklung der Region auf eine solide Grundlage stellen. Brasilien spielt dabei als größtes und bevölkerungsreiches Land eine Vorreiterrolle. Dabei orientieren sich die Staaten zunehmend von den USA weg hin zu China und Europa, so dass neue Chancen für eine intensivere Zusammenarbeit entstehen.
Asien: Wachstumsmotor Indonesien
Während China als staatlich finanzierte Wachstumslokomotive die Region antreibt, gibt Indonesien dem Aufschwung ein breites Fundament. Getragen wird das indonesische Wachstum vom privaten Verbrauch und den Infrastrukturinvestitionen, dabei profitiert das Land von dem wieder anziehenden Ölpreis.
Mittel- und Osteuropa: Stabilitätsanker Polen
Während Ungarn und das Baltikum am Tropf internationaler Geldgeber hängen und zum Teil dramatische Wohlstandsverluste erleiden, konnte Polen das Krisenjahr 2009 sogar mit einem ansehnlichen Wachstum abschließen. Letztlich hielten der private Verbrauch und die Staatsausgaben bei gleichzeitig stark sinkenden Importen die Wirtschaftsleistung im Plus.
Innovation: Marktreife im Ausland erreichen
Die deutsche Wirtschaft nutzt die Krise für Innovationen, ergab eine Umfrage des DIHK im Sommer 2009. Gleichzeitig wird das Auslandsengagement vor allem in Mittel- und Osteuropa zurückgefahren. Doch für die internationale Marktreife von Forschung und Entwicklung bedarf es einer engen Anbindung an den Zielmarkt bzw. den Standort der relevanten Anwender neuer Technologie.
Risikomanagement: Internes Rating
Während in den vergangenen Jahren das externe Rating und die damit verbundenen Agenturen im Fokus der Öffentlichkeit standen, ist für die meisten deutschen Unternehmen das interne Rating ihrer Banken viel bedeutender. Denn hier entscheidet sich, ob und wie viel Kredit sie gegebenenfalls erhalten können. Einige Unternehmen gehen dazu über, ihr Risikomanagement gezielt auf die Anforderungen dieses Ratings auszurichten.
Russland/GUS: Zähe Modernisierung
Russland wurde von der Wirtschaftskrise aus dem Konzept gebracht. Die von hohen Exporterlösen alimentierte Industrialisierung hat sich als Strukturfalle entpuppt, da die staatlichen Unternehmensgruppen die notwendige Modernisierung nicht erreicht haben. Nun schwenkt die Regierung um und setzt auf die Belebung der Marktkräfte.
China: Grenzen des Exportwachstums
Für die chinesische Exportwirtschaft bedeutete der massive Rückgang der Nachfrage aus den USA, aber auch aus den anderen Industrieländern ein jähes Ende des langjährigen Aufschwungs. Zwar wuchs die Wirtschaft dank einer expansiven Geld- und Fiskalpolitik auch 2009 noch relativ kräftig, doch die Nachfrage verlagerte sich auf die Binnenwirtschaft. Liegen dort zukünftig die Wachstumschancen?
Golfregion: Märkte im Umbruch
Die Regierungen rund um den Persischen Golf erkennen, dass sie Wohlstand,Wachstum und Beschäftigung der jungen Generation nicht allein durch ihren Ölreichtum sichern können. Der Ausbau der Infrastruktur, die Diversifizierung der Industrie und die Expansion des Dienstleistungssektors bieten deutschen Unternehmen neue Perspektiven und Absatzchancen.
Einkauf: Umgang mit Lieferantenrisiken
Einkaufsabteilungen von Unternehmen stehen vor dem Problem, dass wichtige Lieferanten aufgrund der Krise von Insolvenz bedroht sind. Ein Ausfall würde vielfach eine Unterbrechung der Produktion bedeuten und zu schmerzhaften Verlusten führen. Um rechtzeitig über die Entwicklungen beim Partner informiert zu werden, gewinnt die regelmäßige Prüfung von Bonität und Performance der Zulieferer stark an Bedeutung.
Finanzierung: Liquiditätssteuerung im Auslandsgeschäft
Die Verfügbarkeit von ausreichender Liquidität ist für Unternehmen in Zeiten knapper Kredite und hoher Unsicherheit an den Märkten ein Muss. Die Schwäche der Kapitalmärkte erfordert dabei innovative Lösungen, wie etwa das länderübergreifende Cashpooling oder die Nutzung von Borrowing-Base-Finanzierungen. Auch im Auslandsgeschäft sind kreative Ansätze vonnöten, um die notwendigen Sicherheiten zu stellen.



